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"Jane Eyre"




" [...] Ich konnte die Lider nicht unter Kontrolle halten, sie hoben sich von selbst und die Pupillen hefteten sich auf ihn. Ich blickte ihn an und empfand dabei eine tiefe Freude, ein köstliches und doch schmerzliches Vergnügen - reines Gold mit einem stählernden Stachel des Wehs, eine Freude wie die eines Verdustenden der weiß, dass die Quelle, zu der er sich geschleppt hat, vergiftet ist, und der sich trotzdem hinabbeugt und ds tödliche Naß in göttlichen tiefen Zügen schlürft.
Es ist nur zu wahr, daß die Schönheit eines Menschen vom Auge des Betrachtenden abhängt. Das bleiche wächserne Gesicht, die eckige, hohe Stirn, die breiten und buschigen Augenbrauen, die tiefliegenden Augen, die markanten Züge, der strenge harte Mund, alles an ihm drückte Energie, Entschiedenheit und Tatkraft aus. Er konnte nach den Üblichen Begriffen nicht schön genannt werden, und doch war er für mich mehr als schön. Wenn ich ihn betrachtete, fesselte mich sein Anblick derart, daß ich völlig seinem Einfluss erlag - meine Gefühle entzogen sich der Aufsicht meines Willens und gerieten unwiderstehlich in seine Gewalt. Ich wollte ihn gewiss nicht lieben. [...] Auch wenn er mich nicht beachtete - ich mußte ihn einfach lieben. [...] Ich muß deshalb fortwährend widerholen, daß wir auf immer getrennt sein müssen - und ich, solange ich atmen und denken kann, werde ich ihn lieben müssen. [...] "

aus "Jane Eyre" (1847) von Charlotte Bronte

Dieses Buch ist ein MUSS für jeden Leser, der sich vom Schicksal einer Frau niederen Standes im 19. Jahrhundert begeistern lässt und bereit ist, sich vollends von diesem Buch einnehmen zu lassen.
Es wurde auch mehrmals verfilmt (das wird wohl der nächste Film sein, den ich sehen werde!)
Anbei bemerkt: ich liebe diese Buch. Schon seit Jahren vermochte mich keines so zu fesseln, wie "Jane Eyre".








Melo.

6.8.07 20:32


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