Faszination Segeln

Faszination Segeln




Die Jellicel


Am Wochenende war ich mit meinem Freund und seinen Eltern segeln und es war absolut unglaublich, gradezu traumhaft. Nicht, dass ich nicht schon mal segeln gewesen wäre aber dieses Boot, die Jellicel , ist kein normales Segelboot mehr, sondern eine Segel Yacht. Nach dem Wochende fühlte ich mich so entspannt wie seit Ewigkeiten nicht mehr.
Egal wo man hin sah, überall strahlte einen die wahrhaftigste Schönheit an: im Wasser, das im Licht der Sonne in tausend bunten Farben schimmerte, in der Landschaft, deren grüne unendliche Fluren Ruhe und Geborgenheit versprachen, in den Segeln, die sich, strahlend wie Schnee, im Wind wiegten, von ihm gepeitscht oder ganz sanft berührt wurden.



Permanent hatte ich den Drang etwas zu schreiben, denn eine wahre Flut von Inspiration überkam mich, Knoten für Knoten, den wir an Geschwindigkeit zunahmen.
Der Innenraum des Bootes war mindestens genauso atemberaubend, wie über Deck. Alles war in edlem Holz verkleidet, 4 Kajüten, davon jeweils 2 mit Doppelbett (so bequem, dass man darin ewig schlafen könnte), eine Küche und zwei Toiletten mit Dusche, ein Aufenthaltsraum fast wohnzimmerartig, ein Boardcomputer (quasi ein Navi fürs Boot) und jede Menge Platz. Auf diesem Boot fühlte ich mich wohler als in jedem Hotel...



Wie legten auf Rügen bei einer Stadt namens "Gager" an. Klein, veträumt, hier und da ein Haus, ansonsten nur saftig grünes Gras, weiche Hügel und das unglaubliche Gefügl von Freiheit. Ich als absoluter Großstadtmensch hätte diese Insel vermutlich hassen müssen, doch ich liebte sie, bevor ich überhaupt einen Fuß darauf gesetzt hatte. Neben den vereinzelten altmodisch, mit Stroh bedeckten Häusern, gab es ein Fischrestaurant (ich hasse Fisch, aber gottseidank gab es auch nichtfischige Speisen), indem wir, in herrlichem Ambiente aßen und einen unglaublich leckeren Weißwein tranken. Hier lernte ich auch die Eltern meinem Freundes besser kennen, ich hatte regelrecht Spaß daran, mit ihnen zusammenzusitzen und über Gott und die Welt zu reden.
Zurück auf dem Boot (wir blieben die Nacht im Hafen von Gager), sah ich seit ewigen Zeiten endlich wieder einen Sonnenuntergang. Normalerweise bin ich nicht sonderlich romantisch, aber dieses Naturspektakel nahm mich ein. Mit jedem leuchtenden Sonnenstrahl, der hinten den Hügeln Gagers verschwand, fühlte ich mich ein Stück geborgener. Der Himmel erschien mir in diesem Moment wie ein Gemälde aus sämtlichen rötlichen Pastellfarben, gemalt vom größten aller Künstler. Und mit jeder Minute wurden die Fraben dunkler, sie mischten sich mit schwarz und blau, sie gaben den Sternen und dem Mond die Möglichkeit, ihren Platz einzunehmen, bis die Sonne sich ihre Vormachtstellung wieder zurück erkämpfen würde.



In dieser Nacht schlief ich so gut, wie lange nicht mehr. Der darauf folgende Morgen war angenehm und sonnig, blauer Himmel und ein leichter Windhauch, mit dem wir zurück zur "Marina Neuhof", dem Hafenplatz der Jellicel segelten. Zu meinem Glück entschied der Vater meines Freundes, nicht mit dem Motor heinzufahren, sondern uns langsam, sehr langsam vom Wind nach Hause tragen zu lassen. In der Zeit konnte ich tun, was ich so lange missen musste: lesen. "Jane Eyre" (Charlotte Bronte), ein Buch, was ich vor drei Jahren begonnen, aber nie ausgelsen hatte. Jetzt lese ich es von vorn.
Gegen Abend erreichten wir unser Ziel, allerdings fuhren wir noch knapp 3 Stunden mit dem Auto nach Hause.



Eine merkwürdige, aber irgendwie angenehme Schwermut hatte mich ergriffen. Das Wochenende war einfach zu schön gewesen: ein Pendant zum grauen, routinierten Alltag.
Jetzt bin ich wieder im richtigen Leben gefangen, aber ich weiß, dass ich bei Gelegenheit zurückkehren kann...


P.S.: Leider hatte ich meine Kamera vergessen und musste mit dem Handy Fotos machen.
11.6.07 15:19